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Die heimlichen Museumsgäste

Die heimlichen MuseumsgästeElaine Konigsburg

Konigsburg, Elaine (2011): Die heimlichen Museumsgäste. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ilse Lauterbach. (Originaltitel: From the mixed-up files of Mrs. Basil Frankweiler. Erschienen 1967) Erstübersetzung 1970 als Merkwürdiges aus dem Frankweiler-Geheimarchiv. Hamburg: Zeitverlag Gerd Bucerius.

"Claudia kann es zu Hause keinen Tag länger aushalten: Ihre Eltern interessieren sich nur für ihre lauten, anstrengenden Brüder! Sie beschließt auszureißen, aber mit Stil: Gemeinsam mit ihrem (dann doch ganz erträglichen) Bruder Jamie versteckt sie sich im Metropolitan Museum of Art in New York. Dort zieht eine Engelsstatue Claudia in ihren Bann. Sie könnte von Michelangelo sein. Aber ist sie es wirklich? Claudia und Jamie erfahren, dass ein Rätsel dem Leben Sinn geben kann." (Klappentext)

Ausgezeichnet mit der Newbery Medal 1967

Verlagsempfehlung: ab 10 Jahren

Der Roman ist insgesamt, aber auch in Auszügen sowohl hinsichtlich des Themas als auch dessen Darstellung für den Unterricht sehr empfehlenswert.

 

Hauptfiguren und ihre Begabungen

Claudia Kincaid

Was macht man als elfjähriges amerikanisches Mädchen, wenn man in Connecticut aufwächst und vor allem für ‚Mädchenaufgaben‘ im Haushalt herangezogen wird? Wenn man es seinen Eltern mal so richtig zeigen will? Wenn man sich nicht mehr anpassen will an das als eng empfundene Zuhause? Eine Option: Man haut ab. So macht es auch Claudia Kincaid, die gemeinsam mit ihrem neunjährigen Bruder Jamie ihre Sachen packt, um zumindest für einen kurzen Zeitraum von den Eltern zu fliehen. Das hört sich nach großem Abenteuer an. Statt, wie in anderen Abenteuergeschichten, in denen sich die Protagonist*innen mit dem Floß den Mississippi hinunterwagen oder sich in die Wildnis schlagen, nehmen Jamie und Claudia den Zug nach New York, um sich dort im Metropolitan Museum of Modern Art zu verstecken. 

Claudia interessiert sich für Kunst und Kultur, sie liest gerne und viel und ist eine Expertin für Grammatik, zum Leidwesen ihres Bruders Jamie. Das Schmieden von Plänen gehört zu ihren besonderen Fähigkeiten (S. 12), sie kann auch lange Zeiträume überblicken und etwaige Konsequenzen ihres Handelns abwägen. Nur beim Geld ist sie nicht so gradlinig. Wenn sie welches hat, dann muss sie es ausgeben – Sie Leidenschaft hat eine für Süßigkeiten. 

Im Museum angekommen hat Claudia immer die leitende Funktion, sie entwickelt Pläne, etwa zur Recherche zur Engelsfigur, von der sie vermutet, sie könnte von Michelangelo stammen. Für die Verstecke und das Nicht-Auffallen im Museum ist sie zudem zuständig und erweist sich hier als sehr geschickt. Gleichzeitig zeigt sie sich tugendhaft, etwa wenn sie die Sprache ihres Bruders korrigiert oder sich um die Sauberkeit der Kleidung Gedanken macht. Hier findet sich Claudia immer wieder selbst gefangen in den Gender-Klischees, die wohl auch mit der Entstehungszeit des Romans Mitte der 1960er Jahre erklärbar scheinen und die Betrachtung aus heutiger Sicht noch einmal besonders interessant machen.

Claudia will älter sein, als sie biologisch ist, sie fühlt sich auch so (S. 78). Bildung erscheint ihr dabei als ein Schlüssel zum Erwachsenwerden: „Sie lernten eine Menge und hatten noch nicht einmal was dagegen" (S. 51). Ihre Idee ist es, selbst eine Art Expertin zu sein, hier im Kontext der Renaissance. Dass der Weg dorthin steinig und schwer ist, wird ihr immer wieder schmerzlich bewusst (S. 67). Nichtsdestotrotz lässt sie sich nicht davon abbringen, das Geheimnis um die Engelsstatue zu lüften.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die reiche Mäzenin Mrs. Basil E. Frankweiler, die den Engel dem Museum für gerade einmal 225 US-Dollar verkauft hat. Am Ende der Geschichte treffen die Geschwister mit der exzentrischen alten Dame zusammen und kommen dem Mysterium um die Engelsstatue auf die Schliche.

Jamie Kincaid

Jamie Kincaid ist neun Jahre alt und der Bruder von Claudia. Er ist das Sandwichkind zwischen seinen beiden Brüdern und somit das drittälteste Kind der Familie Kincaid. Während Claudia sich durch ihre Tugendhaftigkeit auszeichnet, ist Jamie im Alltag deutlich trickreicher. Bei seinen täglichen Kartenspielen mit seinem besten Freund betrügt er über lange Zeit so, dass er immer gewinnt. Dadurch verfügt er über ein kleines Vermögen (24,43 US-Dollar) und wird so zum geeigneten Partner für Claudias Ausbruchspläne. Neben dem Geld besitzt er ein eigenes kleines Transistorradio, was sein wertvollstes Eigentum darstellt. Jamie lässt sich von Claudia zum Museumsabenteuer überreden, als ihm das Amt als Schatzmeister angeboten wird. Als Duo ergänzen sich Bruder und Schwester bei ihrem Abenteuer. Jamie verbietet etwa Fahrten mit dem Bus, sondern besteht darauf, zu Fuß zu gehen und teilt das Geld für das Essen zu. 

Mrs. Basil E. Frankweiler

Mrs. Basil E. Frankweiler tritt vor allem als Erzählerin in Erscheinung und kommentiert das Geschehen um das Rätsel um die Engelsstatue aus der Retrospektive. Als Figur tritt sie erst zum Ende des Romans in Erscheinung, wenn Jamie und Claudia ihr Anwesen aufsuchen, um Mrs. Frankweiler mit ihren Recherchen zu konfrontieren. Im Gegensatz zu den Kincaid-Kindern ist die 82-Jährige äußerst vermögend, allerdings auf eine extravagante Art und Weise.

Figuren-/Begabungsdarstellung

Das Abenteuer von Claudia und Jamie wird von Mrs. Basil E. Frankweiler als Erzählinstanz gestaltet. Sie nutzt ihre Beobachtungen der Erlebnisse der Geschwister, um einen kritisch-reflektierten Blick auf das Geschehen zu werfen. Die Erzählerin kommentiert und ordnet ein. Durch die narrative Rahmung in Form eines Briefes (S. 7/8) an den Rechtsanwalt von Mrs. Basil E. Frankweiler wird die retrospektive Betrachtung noch einmal um eine Wissensebene erweitert. Wie der angeschriebene Rechtsanwalt Saxonberg verfügen auch die Lesenden über weniger Wissen als die Erzählinstanz und sind auf das Gewähren von Einblicken durch die Erzählerin angewiesen. In zehn Kapiteln wird die Geschichte zumeist chronologisch entfaltet, erzählerische Vor- und Rückblenden fügen sich in das Bild des rahmenden Briefes ein. Die erzählte Zeit beträgt gut eine Woche.

Die Geschichte der Kincaid-Geschwister ist als Abenteuer angelegt und gespickt mit detektivischen Details, die sich etwa in verschiedenen Rätseln zeigen. Das Planen des Abenteuers liegt bei Claudia, hier sieht sie ihre eigenen Stärken und sich dieser Stärken auch durchaus bewusst. In einem Konflikt betitelt Jamie seine Schwester als „ein Genie“ (S. 31) und auch die Erzählinstanz stimmt dem zu: „Sie war wirklich ein Genie.“ (S. 31) Diese Form der Anerkennung kann Claudias erhitztes Gemüt im Konflikt beruhigen, denn „seit man sie ein Genie genannt hatte, war sie schon am Abkühlen" (S. 31). Die Recherchen zur Lösung des Geheimnisses der Engelsstatue sind mühsam und aufwändig. Hierfür nutzen Claudia und Jamie die Bibliothek (S. 64) und sind hier als leistungsstarke Leser*innen gekennzeichnet. Gleichzeitig führt das Engagement der beiden nicht (direkt) zum Erfolg. Auf dem Weg zur Expertise erfährt Claudia einige Begrenzungen (S. 67).

Ihre Begabungen zeigen sich im Umgang mit Sprache, wobei es hier oft zu Belehrungen des kleinen Bruders kommt. Das Lernen außerhalb der Schule wird für beide zu einer besonderen Erfahrung, denn „[s]ie lernten eine Menge und hatten noch nicht einmal was dagegen" (S. 51). Die Erlebnisse sind durch einen hohen Grad an Selbstbestimmung charakterisiert, trotz der Mühen, die mit ihrem Forschungsprojekt verbunden sind. Das Zusammenspiel von Claudia und Jamie erweist sich zudem als konfliktreich: „Du bist ziemlich schlau, auch wenn es schwer ist, mit dir zusammenzuleben" (S. 97), sagt James an einer Stelle zu Claudia.

Jamie selbst ist weniger belesen oder kunstinteressiert. Er will gerne ausbüchsen, hält aber das Museum für einen langweiligen Ort. Jamie zeichnet sich viel mehr durch seine Gerissenheit aus als durch sein Bücherwissen. Und dennoch sind beide, gerade im Zusammenspiel, liebenswerte und sympathische Figuren, denen man als Leser*in gerne ins Museum folgt.

Die Erzählweise, die als kritisch-liebevoll distanziert beschrieben werden kann, unterstützt diesen Blick auf die beiden Protagonist*innen. Kritikwürdig erscheint die klischeehafte Darstellung, die doch sehr an stereotype Geschlechterbilder angeknüpft sind. Während Claudia mit Bedacht plant, sich um Sauberkeit und angemessene Sprache bemüht, fleißig und ehrgeizig ist, kann Jamie gut mit Geld umgehen, ist ein sympathisches Schlitzohr und insgesamt weniger angepasst. Während Claudia danach strebt, erwachsen zu sein, sucht Jamie vor allem den Weg der (finanziellen) Unabhängigkeit.

Didaktische Impulse

Die heimlichen Museumsgäste bieten für den Unterricht am Ende der Grundschulzeit oder zu Beginn der Sekundarstufe I verschiedene Anknüpfungspunkte. Hierzu zählen etwa die Auseinandersetzung mit der Kunst der Renaissance, die eigenen Museums- oder Lernerfahrungen oder aber Familien- und Geschwisterkonflikte. Auch die Auseinandersetzung mit Sprache, Sprachwitz und Grammatik lässt sich mit der Erzählung gut bearbeiten.

 

(David Rott)

 

  • Alter: ab 9
  • Schlagwörter: Abenteuer, Bibliothek, Familie, Interesse, Konflikte mit Eltern/Familie, Schule, Spezialkenntnisse, sprachliche Begabung, Ungleichheit, Wissbegier
  • Bewertung: sehr empfehlenswert
  • Medienart: Buch
  • Gattung: Abenteuererzählung, Erzählung/Roman, Kinderbuch

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